28. April 2017

Bessere Rahmenbedingungen für die Freien Berufe!

In der Schweiz üben rund 10 Prozent der Arbeitstätigen einen freien Beruf aus. Die freiberuflich Tätigen generieren eine hohe Wertschöpfung und tragen erheblich zum Wohlstand unseres Landes bei.

Der Schweizerische Verband freier Berufe, Dachverband von 16 Standesorganisationen mit insgesamt 90‘000 Mitgliedern, sieht es als seine Hauptaufgabe an, die fundamentalen Werte der freien Berufe – Verantwortung, Unabhängigkeit, Qualifikation und persönlicher Charakter der erbrachten Dienstleistungen – zu wahren und zu fördern.

In den letzten Jahren haben aber die Zunahme der staatlichen Regulierungen und die Öffnung der Grenzen die Ausübung zahlreicher freier Berufe grundlegend verändert. Es wächst die Gefahr, dass die Berufasqualifikationen sich gefährlich nach unten nivellieren und in der Folge die Dienstleistungsqualität abnimmt.

                                                                                       

Deshalb erhebt der SVFB vier Forderungen zur Abwehr dieser Gefahren:

  • Administrative Entlastung. Die freien Berufe sind am stärksten von den administrativen Auflagen und der Überregulierung betroffen. Eine FMH-Studie von 2016 zeigt zum Beispiel auf, dass der Anteil der Arbeitszeit am Patienten laufend abnimmt, wo hingegen der administrative Aufwand für den behandelnden Arzt stetig steigt. Der SVFB verlangt von den Bundesbehörden, dass endlich konkrete Massnahmen für die Verminderung der bürokratischen Belastungen der Selbstständigerwerbenden ergriffen werden.

 

  • Garantierte Gleichbehandlung. Gemäss einem Bericht des Bundesrates kommen etwa 13% der Personen, die in der Schweiz einen freien Beruf ausüben, aus der EU.  Der SVFB steht weiterhin zum Abkommen über den freien Personenverkehr und ist für die Weiterführung des bilateralen Weges. Die Gleichbehandlung von freiberuflich tätigen Schweizerinnen und Schweizern und ihren europäischen Kolleginnen und Kollegen muss aber gewährleistet sein. Der SVFB verlangt eine ungehinderte Ausübung der Dienstleistungen für die schweizerischen Freiberufler im ganzen EU-Raum, die Beseitigung bürokratischer Hürden in der EU, sowie die Anerkennung der schweizerischen Titel und Diplome.

 

  • Eine Fachkräfteinitiative auch für die freien Berufe. Die freien Beruf sind bisher unverständlicherweise nicht in die Fachkräfteinitiative des Bundes integriert. Dies, obwohl nach den Bundesstatistiken gerade bei den Freien Berufen die grössten Lücken an Fachkräften bestehen (Ärzte, Ingenieure, etc.)! Der SVFB verlangt, dass der Bundesrat bei der Umsetzung der Fachkräfteinitiative der SVFB als Interessenvertreter der freien Berufe miteinbezieht.

 

  • Festhalten am Berufsgeheimnis. Das Berufsgeheimnis ist an verschiedenen Fronten bedroht. Das persönliche Vertrauensverhältnis zu Mandanten, Klienten oder Patienten ist aber ein entscheidendes Charakteristikum der freien Berufe. Zur Wahrung dieses Vertrauensverhältnisses verlangt der SVFB den Schutz und die Beibehaltung des Berufsgeheimnisses.

 

SCHWEIZERISCHER VERBAND FREIER BERUFE

Für weitere Auskünfte:
Pirmin Bischof, Ständerat, SVFB-Präsident, Solothurn, Tel. 032 333 33 11

Marco Taddei, SVFB-Generalsekretär, Lausanne, 021 613 36 85


15. Januar 2014

Freie Berufe: Verbesserung der Rahmenbedingungen

Der Schweizerische Verband freier Berufe (SVFB), Dachorganisation von 16 Standesverbänden mit insgesamt rund 90‘000 Mitgliedern, begrüsst die kürzlich erfolgte Veröffentlichung des bundesstaatlichen Berichts über die freien Berufe in der Schweiz. Dieser Bericht ist eine Antwort auf das im September 2011 von Nationalrat Ignazio Cassis, ehemaliger Vizepräsident des SVFB, eingereichte Postu-lat, welches bezüglich der freien Berufe in unserem Land ein Informationsdefizit reklamierte.

Der Bericht des Bundesrates zeigt auf, dass 9,3 Prozent aller in der Schweiz arbeitstätigen Personen einen freien Beruf ausüben. Das bedeutet, dass diese soziale Gruppierung im Hinblick auf die nationale Wirtschaft eine Vorreiterrolle spielt. Zugleich ist die Dachorganisation der freien Berufe SVFB ein bevorzugter Ansprechpartner von Behörden und eidgenössischen Parlamentariern.

Der SVFB schliesst sich den vom Bundesrat gemachten Vorschlägen an, mit denen vorteilhaftere Rahmenbedingungen für die Ausübung eines freien Berufes geschaffen werden sollen. Der Verband bedauert jedoch, dass der von den eidgenössischen Behörden geführte Kampf gegen die administrativen Belastungen sich oft nur auf Absichtserklärungen beschränkt, aber nicht in Taten umgesetzt wird. Der SVFB, sieht bei der Ausgestaltung einer Regierungspolitik, welche die freien Berufe fördert, sechs Schwerpunkte:

  • Vertiefung der Ausbildung. Personen, die einen freien Beruf ausüben, verfügen über eine höhere berufliche Qualifikation, die durch Weiterbildung ständig verbessert und aktualisiert wird. Der SVFB verlangt, dass die Vertreter der freien Berufe bei der Ausarbeitung der Bildungspolitik (eidgenössisch und kantonal) vorgängig beigezogen werden. Das Bundesgesetz über die Weiterbildung muss den Interessen der freien Berufe besser Rechnung tragen.
     
  • Festhalten am Berufsgeheimnis. Zum grundlegenden Charakter der freien Berufe gehört die Vertrauensbeziehung, die zu Mandanten, Klienten oder Patienten aufgebaut wird; sie rechtfertigt die vom Gesetz verlangte berufliche Vertraulichkeit oder das berufliche Geheimnis. Zur Wahrung dieses Vertrauensverhältnisses verlangt der SVFB den Schutz und die Beibehaltung des Berufsgeheimnisses.
     
  • Garantierte Gleichbehandlung. Der SVFB ist für die Weiterführung des bilateralen Weges und steht zum Abkommen über den freien Personenverkehr. Die Gleichbehandlung setzt die gleichwertige Ausbildung und fachliche Qualifikation voraus. Um die Gleichbehandlung von freiberuflich tätigen Schweizerinnen und Schweizern und ihren europäischen Kolleginnen und Kollegen zu gewährleisten, verlangt der SVFB eine ungehinderte Ausübung der Dienstleistungen für die schweizerischen Freiberufler im ganzen EU-Raum sowie die Anerkennung ihrer Titel und Diplome.
     
  • Verlagerung der öffentlichen Dienstleistungen. Der Staat muss seine Aktivitäten auf zentrale Aufgaben der Souveränität beschränken und darf den Privatsektor nicht konkurrenzieren. Der SVFB verlangt – dort wo möglich – die Verlagerung öffentlicher Dienstleistungen in Richtung freier Berufe.
     
  • Reduktion der Abgaben. Der SVFB unterstützt sämtliche Bestrebungen, um die Einführung und Erhöhung von Steuern, Abgaben und Gebühren zu verhindern. Er ist gegen den Vorschlag des Eidgenössischen Departements des Innern, den Beitragssatz der Selbstständigen im Rahmen der Reform der Altersvorsorge 2020 von 7,8% auf 8,4% anzuheben.
     
  • Administrative Entlastung. Am 13. Dezember 2013 hat der Bundesrat einen Bericht zur Regulierungskosten veröffentlicht. Der SVFB verlangt von den Bundesbehörden, konkrete Massnahmen für die Verminderung der bürokratischen Belastungen der Selbstständigerwerbenden zu ergreifen. Dabei ist insbesondere eine Anpassung der Schwellenwerte im öffentlichen Be-schaffungswesen ins Auge zu fassen.

 

SCHWEIZERISCHER VERBAND FREIER BERUFE

Für weitere Auskünfte:
Pirmin Bischof, Ständerat, SVFB-Präsident, Solothurn, Tel. 079 656 54 20
Marco Taddei, SVFB-Generalsekretär, Bern, Tel. 079 776 80 67


23. November 2012

Freiberufler verlangen gleich lange Spiesse

Der Schweizerische Verband freier Berufe (SVFB), Dachverband von 16 Standesorganisationen mit insgesamt rund 85'000 Mitgliedern, ist besorgt. Eine neue Studie weist zahlreiche Diskrimi¬nierungen der Schweizer Freiberufler nach. Der SVFB fordert deshalb gleich lange Spiesse.

Der SVFB befürwortet den verfolgten bilateralen Weg mit der EU. In Rahmen des geschlossenen bilateralen Abkommens mit der EU verlangt der SVFB die Sicherstellung der Dienstleistungen für Schweizer Freiberufler im EU-Raum sowie die Gleichbehandlung der Schweizer Freiberufler und ihrer europäischen Kollegen.

Um den Stand der Realisierung dieser Ziele zu überprüfen, hat der SVFB Professorin Christine Kaddous, Direktorin des Centre d’études juridiques européennes an der Universität Genf, das Mandat erteilt, eine Studie über die Auswirkungen der EU-Richtlinie „2006/123/EG über Dienstleistungen im Binnenmarkt“ zu verfassen. Die Resultate sind beunruhigend. Die Studie weist die Existenz zahlreicher Diskriminierungen der Schweizer Freiberufler nach. Der SVFB fordert deshalb gleich lange Spiesse.

Obschon die Schweiz die Richtlinie 2006/123 nicht übernommen hat, zeigt die Studie von Professorin Kaddous, dass gewisse schweizerische freie Berufe davon betroffen sind: Architekturberufe, Rechnungsprüfer, Ingenieure, Ingenieur-Geometer, Veterinäre und nicht amtlich bestellte Notare. Für einige Berufe gelten partielle Ausnahmen – Rechtsanwälte – oder Sonderregelungen wie bei Berufen im medizinischen Bereich: Ärzte, Zahnärzte, Apotheker, Chiropraktiker, Psychologen/Psychotherapeuten und Logopäden.

Die meisten freien Berufe werden gegenüber den freien Berufen der EU gerade im Bereich freier Dienstleistungsverkehr und Niederlassungsfreiheit der Dienstleistungserbringer ungleich behandelt. Solche Divergenzen sind juristische Unsicherheitsfaktoren. Sie bereiten im Dienstleistungssektor zahlreiche Schwierigkeiten bei der Festlegung bezüglich der Anwendung der Regelung – je nach Funktion der Dienstleistungsaktivität, der Art der Dienstleistung und des betreffenden Handelsstroms.

Nebst dieser Rechtsunsicherheit beleuchtet die Studie die Risiken einer Anwendung unter-schiedlicher juristischer Ordnungen für ein und denselben Beruf auf dem Gebiet der EU-Mitgliedstaaten sowie in der Schweiz. Solche Behandlungsunterschiede können zu einer Diskriminierung unter den Marktteilnehmern führen: einerseits in Bezug auf den Marktzugang und die Ausübung des Berufes und andererseits in Bezug auf den Schutz des potenziellen Dienstleistungsempfängers.

Die Studie weist auf ein weiteres Problem hin: die Auswirkungen der Übernahme der Richtlinie 2005/36/EG über die Anerkennung von beruflichen Qualifikationen durch die EU-Staaten für die SVFB-Mitglieder. Die EU-Institutionen sind daran, diese Richtlinie anzupassen. Gleichzeitig ist der Zeitpunkt für die Übernahme der Richtlinie durch die Schweiz noch nicht definitiv festgelegt worden. Diese Unsicherheit löst bei den direkt von der Richtlinie betroffenen freien Berufen zahlreiche Ängste und Fragen aus.

Der SVFB fordert deshalb den Bundesrat auf, Massnahmen zu ergreifen, damit die Schweizer Bürgerinnen und Bürger, die einen freien Beruf ausüben, gegenüber ihren Berufskolleginnen und -kollegen aus dem EU-Raum nicht benachteiligt sind. Dies ist umso notwendiger, als die Freiberufler aus der EU in der Schweiz kaum auf Probleme stossen.

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7. Februar 2012

Abstimmung vom 11. März 2012

Freiberufler gegen die Ferieninitiative

Der Schweizerische Verband freier Berufe (SVFB), Dachverband von 16 Standesorganisationen mit insgesamt rund 85'000 Mitgliedern, lehnt die Volksinitiative « 6 Wochen Ferien für alle » entschieden ab, über die das Schweizer Volk am 11. März 2012 abstimmen wird.

Aus der Sicht des SVFB ist Initiative für die meisten Grosszahl der Beschäftigten unnötig, schränkt das Sozialpartnerschaft ein und gefährdet mit ihren Kostenfolgen Arbeitsplätze in der Schweiz. Bei einer zusätzlichen Ferienwoche beträgt der Anstieg der Arbeitskosten für die betroffene Unternehmung über 2%. Darüber hinaus drohen den Unternehmen noch Kosten für Stellvertretung und Wertschöpfungsausfälle. Besonders betroffen wären viele Mitglieder des SVFB.

SCHWEIZERISCHER VERBAND FREIER BERUFE

Für weitere Auskünfte
Pirmin Bischof, Ständerat, SVFB-Präsident, Solothurn, Tel 032/333 33 11
Marco Taddei, SVFB-Generalsekretär, Bern, Tel. 031/380 14 22


6. September 2010

Abstimmung vom 26. September 2010

Freiberufler befürworten die ALV-Revision

Der Schweizerische Verband freier Berufe (SVFB), Dachverband von 15 Standesorganisationen mit insgesamt rund 85'000 Mitgliedern, befürwortet die Revision der Arbeitslosenversicherung (ALV), über die das Schweizer Volk am 26. September 2010 abstimmen wird.

Aus der Sicht des SVFB ist eine Revision der ALV unumgänglich, da die Arbeitslosenkasse über 7 Milliarden Schulden hat. Die vorgeschlagene Revision sieht eine ausgewogene Mischung von höheren Einnahmen und tieferen Ausgaben vor. Wird die Revision abgelehnt, erfolgt die Sanierung der ALV nur über höhere Lohnabzüge, was viele Mitglieder des SVFB belasten wird.

SCHWEIZERISCHER VERBAND FREIER BERUFE

Für weitere Auskünfte
Pirmin Bischof, Nationalrat, SVFB-Präsident, Solothurn, Tel 032/333 33 11
Marco Taddei, SVFB-Generalsekretär, Bern, Tel. 031/380 14 14 Bern 


 18. März 2010

Neuer Präsident

Nationalrat Pirmin Bischof, Rechtsanwalt und Notar, ist der neue Präsident des Schweizerischen Verbands Freier Berufe (SVFB). Er tritt die Nachfolge von Ständerat Urs Schwaller an.

Der Schweizerische Verband freier Berufe (SVFB), die Dachorganisation von 15 Mitgliedorganisationen mit insgesamt rund 85'000 Mitgliedern, hat kürzlich in Bern seine Generalversammlung abgehalten.

An diesem Anlass haben die Delegierten des Verbandes Nationalrat Pirmin Bischof, Rechtsanwalt und Notar, zum neuen Präsidenten gewählt. Er tritt die Nachfolge von Ständerat Urs Schwaller an, der die Interessen des SVFB seit 2005 auf aktive und effiziente Weise vertreten hat.

Der neue Präsident zeigte sich erfreut über die vor kurzem veröffentlichte Festschrift "20 Jahr SVFB", mit welcher ein Informationsdefizit bezüglich der freien Berufe in unserem Land wettgemacht wird. Pirmin Bischof will die politischen Anliegen des SVFB noch stärker geltend machen und dessen Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit steigern.

Ziel des neuen Präsident ist, die Fundamente der freien Berufe erfolgreich zu wahren und zu fördern, die da sind: Eigenverantwortung, Unabhängigkeit, Qualifikation, Qualität, Sicherheit und persönlicher Charakter der erbrachten Leistungen.

SCHWEIZERISCHER VERBAND FREIER BERUFE

Für weitere Auskünfte:
Pirmin Bischof, Nationalrat, Präsident SVFB, Solothurn, Tel. 079 656 54 20
Marco Taddei, SVFB-Generalsekretär, Bern, Tel. 031 380 14 14


23. Februar 2010

20 Jahre SVFB: Freie Berufe vor neuen Herausforderungen

Drohende Nivellierung nach unten bei den Qualifikationen, sinkende Qualität und Sicherheit bei den Leistungen: Die Freien Berufe geraten zunehmend unter Druck. Im Jahr seines 20-jährigen Bestehens sorgt sich der Schweizerische Verband Freier Berufe (SVFB) um die Zukunft seiner Mitglieder. Eine Festschrift beleuchtet laufende Veränderungen und kommende Herausforderungen.

Aus Anlass seines 20jährigen Bestehens hat der SVFB – eine Dachorganisation von 15 Berufsverbänden mit insgesamt rund 85'000 Mitgliedern – eine Festschrift* publiziert. Die Publikation zeigt die Veränderungen bei der Ausübung der freien Berufe seit 1990 auf sowie die Herausforderungen, welche die Vertreter der freien Berufe in Zukunft erwarten.

In den letzten Jahren haben sich die für die Ausübung zahlreicher freier Berufe massgebenden Rahmenbedingungen nachhaltig geändert: staatliche Regulierungen, die zunehmende Ökonomisierung der Gesellschaft und die Öffnung der Grenzen haben für manche SVFB-Mitglieder zu beunruhigenden Veränderungen geführt. So besteht bei den erforderlichen Qualifikationen in diesen Berufen ein zunehmendes Risiko einer Nivellierung nach unten. Dies führt zu einer sinkenden Qualität und Sicherheit der erbrachten Leistungen – und damit zu einem schleichenden Reputationsverlust der Freien Berufe in der öffentlichen Wahrnehmung. Angesichts dieser Herausforderungen fordert der SVFB, dass die Fundamente der freien Berufe vermehrt gestärkt und gefördert werden. Dazu gehören Eigenverantwortung, Unabhängigkeit, Qualifikation, Qualität, Sicherheit und persönlicher Charakter der erbrachten Leistungen.

An einer Medienkonferenz in Bern haben heute Vertreter der SVFB-Mitgliedverbände die wichtigsten Merkmale dieser beschriebenen Entwicklung anhand von Zahlen und Beispielen belegt.

Feminisierung bei hoher Ärztedichte
Jacques de Haller, Präsident der Verbindung der Schweizer Ärztinnen und Ärzte (FMH) zeigte auf, dass in den 20 Jahren seit der Gründung des SVFB vor allem eine Veränderungen im Bereich der Ärztedemografie stattgefunden hat. So ist eine Erhöhung von 3,1 auf 3,9 Ärztinnen und Ärzte pro 1000 Einwohner festzustellen, was im internationalen Vergleich einer sehr hohen Dichte entspricht. Die zunehmende Ärztedichte geht einher mit einer Zunahme der Teilzeitarbeit sowie einer deutlichen Feminisierung des Arztberufs.

Anwälte: Trend zum Kollektiv
Gemäss Brenno Brunoni, Präsident des Schweizerischen Anwaltverbandes (SAV), geht im Anwaltswesen der Trend vom Einzelanwalt hin zu kollektiven Organisationsformen und auch weg vom Generalisten, der alles kann und alles macht, hin zum spezialisierten Anwalt. Der SAV zählt derzeit über 300 speziell ausgebildete Fachanwältinnen und Fachanwälte, verteilt auf fünf Fachgebiete.
 
Chiropraktoren: Qualitätssicherung bedroht
Christian Chervet, Vize-Präsident von ChiroSuisse, stellt fest, dass der Chiropraktor der neben dem Arzt der einzige Primärkontakt im Gesundheitswesen sei. Diese Sonderstellung im Schweizer Gesundheitswesen verdankt der Chiropraktor seiner europaweit einzigartig hohen universitären Aus-, Weiter- und Fortbildung. Bedauerlicherweise drohe nun aber die Qualitätssicherung zu einer wirkungsarmen Pro-Forma-Sache zu verkommen: Chiropraktoren aus der gesamten EU dürften in Zukunft ohne eingehende Prüfung ihrer ausländischen Diplome in der Schweiz praktizieren. Absolventen von nicht-anerkannten, privaten Aussbildungsstätten für Chiropraktik könnten in der Schweiz trotz unzureichender Ausbildung eine Berufsausübungsbewilligung erhalten – zum Nachteil der Patientinnen und Patienten.
 
Apotheker: Trend zur Kette
Didier Ray
, Mitglied der Geschäftsleitung pharmaSuisse, stellte fest, dass die Apotheker aufgrund der Sparbemühungen der Politik und der wachsenden Konkurrenz nach Wegen suchen müssten, ihre Kosten zu optimieren und neue Dienstleistungen zugunsten der Patienten zu offerieren. Dabei hätten sich in den letzten Jahren zwei neue Strategien herauskristallisiert: einerseits jene der finanzstarken Kettenapotheken und andererseits ein Zusammenschluss von unabhängigen Apotheken zu Gruppierungen, welche Dienstleistungen wie Schulung und Marketing zentralisieren. Diese zwei Geschäftsformen praktizierten heute bereits zwei Drittel aller Apotheken. Bei einem „Fremdbesitz“ der Apotheke (der Apotheker ist nicht Eigentümer der Apotheke) und besonders in grösseren Ketten gerate damit die Unabhängigkeit der Apotheken in Gefahr.

Psychologen: Fehlende Transparenz für Patienten
Laut Daniel Habegger, Politischer Sekretär der Föderation der Schweizer Psychologinnen und Psychologen (FSP), gibt es in der Schweiz bisher keine hohen und zugleich verbindlichen Qualitäts standards für den Beruf des Psychologen/der Psychologin. Die schweizweit fehlende Markttrans-parenz hat zur Folge, dass Klienten/innen sich heute in keiner Weise darauf verlassen können, dass Personen mit der Berufsbezeichnung «Psychologe/Psychologin» auch tatsächlich über einen anerkannten Hochschulabschluss in Psychologie verfügen. So seien allein auf schweizerischen Internetseiten und in Inseraten Hunderte von Anbietern zu finden, die unter der Bezeichnung «Psychologe/Psychologin» eine Vielzahl von «Beratungen», «Therapien» und «Krankheitsbehandlungen» anbieten, ohne über einen Hochschulabschluss in Psychologie zu verfügen – häufig unter Nichtbeachtung der kantonalen Gesundheitsgesetze.

Architekten: Qualifikationsanerkennung notwendig
Pierre-Henri Schmutz
, Direktionsmitglied des Ingenieur- und Architektenverbandes SIA, erinnerte daran, dass laut Bundesamt für Statistik von den 45 000 Personen, die sich als Architekten und Ingenieure bezeichnen, nur etwa 25 000 eine entsprechende Ausbildung mit Diplomen auf Hochschulniveau haben. Angesichts dieser Situation hätten alle SIA-Branchenorganisationen die vom Register der Fachleute in den Bereichen Ingenieurwesen, Architektur und Umwelt (REG) vorgenommenen Anpassungen unterstützt. Einerseits sollten sich so die Konsumenten mittels eines öffentlich zugänglichen Registers über die Qualifikationen der REG-Mitglieder informieren können; andererseits biete das REG Unterstützung beim Zugang zu den Märkten von Drittländern. Im Jahr 2009 haben über 1000 Architekten und Ingenieure um Eintrag in das REG nachgesucht – 6- bis 7-mal so viele wie üblicherweise.
 
Treuhänder: Generalisten mit Spezialwissen
Gemäss Karl J. Heim, Geschäftsführer TREUHANDISUISSE, geht die Entwicklung im Treuhandwesen in Richtung einer klaren Trennung von Allgemeinpraktikern – Typ „Väterlicher Freund des Unternehmers“ – und Spezialisten mit klaren Schwerpunkten. Verstand man bis anhin unter der Bezeichnung Treuhänder eine Person, welche im Auftragsverhältnis die Buchhaltung führt, Jahresabschlüsse erstellt und die Steuererklärung ausfüllt, seien Treuhänder heute Generalisten mit Spezialwissen, welche sich aufgrund des raschen ständigen Wandels in ihrem Fachgebiet fortlaufend weiterbilden müssten.

*Die Festschrift 20 Jahre SVFB steht im Internet zum Herunterladen zur Verfügung: www.freieberufe.ch

SCHWEIZERISCHER VERBAND FREIER BERUFE

Für weitere Auskünfte:
• Dr. Urs Schwaller, Ständerat, SVFB-Präsident, Fribourg Tel. 026 322 09 81
• Marco Taddei, SVFB-Generalsekretär, Bern, Tel. 031 380 14 22